Live-Bericht: 22. November 2003, Zeche Carl, Essen
Ich hatte es im Urin: dies würde mein Tag werden. Schon all die Wochen vor dem Konzert, in denen ich mit Darkane in Kontakt getreten war hatten mir gezeigt: diesen Tag werde ic nicht vergessen. Aus der Idee, eine Darkane-Fanseite aufzubauen wurde etwas viel größeres. Nämlich meine Chance, so nah an eine meiner Lieblingsbands zu kommen wie nie zuvor.

Die Vorbereitungen für das Konzert liefen eigentlich schon zu glatt ab. Tage vorher bekam ich die Mail, zusammen mit 5 Leuten meiner Wahl auf der Gästeliste zu stehen. Mit Florentin hatte sich ein Fahrer gefunden, und überhaupt war alles wunderbar unkompliziert. Um 17.00 Uhr trafen wir uns in Kassel, versorgten uns an der anke noch schnell mit Getränken und Süßkram und machten uns auf den Weg nach Essen. Abgesehen von ein, zwei baustellen war die Autobahn wunderbar frei, und so waren wir innerhalb von 2 Stunden vor Ort. In Essen fragten wir uns zur Zeche Carl durch, und pünktlich um 19.30 betraten wir die Location. Erste Station: wie immer der Merchandisestand. Ich kaufte mir zum absolut akzeptablen preis von 25 Euro ein Longsleeve, Marc erstand ein T-Shirt, und dann ging es zur Kasse.

Dort gab es dann die böse und faustdicke Überraschung. Ich stand zwar auf der Gästeliste, allerdings alleine. Nun war guter Rat erstmal teuer. Ich ließ mich abstempeln und sah mich drinnen um, ob sich einer der Jungs irgendwo vor der Bühne rumtrieb. Da dem nicht so war, kam ich, bereits ziemlich frustriert, wieder raus. Wir umrundeten das Gebäude, um bei den Tourbussen nachzusehen. Auch dort war niemand zu finden. Ich ging noch weiter um das Gebäude herum und fand einen kleinen Hintereingang. Und dort standen sie hinter einem Fenster. Mir fiel ein Berg vom Herzen, und nachdem ich die anderen gerufen und an die Scheibe geklopft hatte, kam Gitarrist Christofer Malmström nach draußen. Wir begrüßten uns und wir erzählten ihm von unserem Problem. Er entschuldigte sich bei uns, sagte aber dass es aufgrund des schlechten Vorverkaufs leider nicht möglich war mehr als eine Person auf die Liste zu setzen, zumal Nuclear Blast 52 Leute(!) auf der Liste hatten. Klas Ideberg, ebenfalls Klampfer, kam dazu und versuchte anschließend noch, wenigstens eine Person mehr auf die Liste zu bekommen, aber keine Chance. Also hieß es Kohle zusammenschmeißen und 4 Eintrittskarten kaufen. Glücklicherweise klappte dass, und etwa eine Viertelstunde später waren wir alle drin.

Mnemic spielten gerade ihre letzten Töne. Ich hatte ein, zwei Songs als Studioaufnahme mal gehört und fand es da auch sehr gelungen, aber live riss es nicht wirklich mit. Die Band war auf keinen Fall schlecht, aber irgendwie war es nichts besonderes und ich auch nicht in der Stimmung. Mystic Prophecy standen als letzte vor Darkane auf dem Plan, und ich wusste nur eins von dieser Band. Power Metal, und absolut nicht mein Fall! Die Live-Performance bestätigte mich darin. Musikalisch gar nicht so schlecht, aber stimmlich unerträglich. Und noch dazu die Optik: gelinde gesagt zum Kotzen. Jedenfalls hatten sie sich auf der Bühne richtig lieb und wohl auch ihren Spaß; ich bin nachdem zweiten Song gegangen *g* Auf dem Weg nach draußen begegnete mir kurz Bassist Jörgen Löfberg und zwinkerte mir zu.

Pünktlich zum Umbau war ich aber wieder da, und zwar erste Reihe Mitte. Der Laden war mit knapp 300 Leuten auch nicht wirklich voll, weshalb das kein Problem darstellte. Als Christofer und Vocalist Andreas Sydow auf der Bühne die ersten Vorbereitungen trafen, verfiel ich ins absolute Fan-Dasein. Mit großen Augen die Band bestaunen, hippelig von einem Fuß auf den anderen treten, auf der Lippe kauen und vor Nervösität und Aufregung fast platzen. Dann ging das Licht aus... und der Chorgesang zu "Calamitas" erklang. Selbst den Chor sang ich mit, und als die Band brachial mit "Third" begann, hielt mich nichts mehr. Ich bangte was meine (viel zu kurzen) Haare hergaben, gröhlte jedes Wort der doch recht abstrakten Texte, das mir einfiel mit und war einfach nur happy. Bei "Violence From Within" kam Andreas ganz nah zu mir runter, und schließlich grinsten wir beide uns Stirn an Stirn leicht debil an :-) Die Jungs gaben wirklich alles. Klas und Jörgen ließen die Haare fliegen, was Christofer aufgrund seiner Glatze leider verwährt blieb, Andreas schrie dem Publikum seine Texte entgegen, und Trommelbube Peter Wildoer, der hinter seiner Schießbude kaum zu sehen war prügelte sich die Seele aus dem Leib. Und das in enem Tempo und mit einer Präzision, die mich schon beim ersten mal Darkane-hören faszinierten. "Chaos vs. Order" war ein einziges Bang-Festival. Ich bekam von den Leuten hinter mir nicht viel mit, aber der Beifall nach den Songs war nicht ohne, und ab und zu bekam ich auch mal ein paar Haare in den Nacken. Mit "Emanation Of Fear" war dann auch das beste Lied der "Insanity" auf der Setlist. Überhaupt war die Mischung bisher super, nur vermisste ich Stücke vom Debüt "Rusted Angel".

Dann gab es jedoch ersteinmal "Fatal Impact" und den für mich schönsten Moment des Konzerts. Andreas und ich blickten uns den gesamten Refrain über in die Augen und sangen uns gegenseitig den Text vor. Es machte ihm (und mir sowieso) sichtlich Spaß. Überhaupt war die Interaktion mit dem Publikum vorbildlich. Beifall der Band ans Publikum, Performance nah am Bühnenrand und der ständige Blickkontakt zu den Leuten. "Innocence Gone", mit der bekannteste Track der Gruppe, fegte nocheinmal wie ein Tornado durch die Halle. Langsam war Andreas seine erkältung jedoch anzumerken, aber er kompensierte es so gut es ging. Der Setlist in meinem Blickwinkel nach rechnete ich eigentlich mit "Convicted", aber es gab eine kleine Überraschung, nämlich mein Lieblingsknüppellied der "Rusted Angel", "July 1999". Ich bekam ein breites Grinsen, und mit Andreas' Worten "This is from the re-release of our debut 'Rusted Angel", this is 'July 1999'" begann das Armageddon. Der Song tritt live noch mehr Arsch als auf CD, Respekt!!!

Nach dem Song wollten Darkane gerade zum letzten Lied übergehen, als plötzlich eine Stimme ihn deutete, das ihre Zeit um wäre. Das Ganze sorgte für eine Menge Verwirrung, und dieses unverdient knappe Ende tat mir wirklich leid. Die Jungs verabschiedeten sich etwas geknickt und verließen die Bühne. Ich war trotz allem zum einen überglücklich und zum anderen total im Arsch *g* Als Christofer zum Abbau nochmal auf die Bühne kam meinte er nur "In 15 minutes where we meet before!". Also machten wir uns schnell auf zum Auto, um etwas zu trinken und kehrten zum Hintereingang zurück. Dort ließ uns Christofer rein, und ehe wir uns versahen saßen wir mit Christofer und Klas backstage auf dem Fußboden und quatschten. Was als Interview für meine Website www.darkane.de begann, endete in einem supernetten und interessanten Gespräch zwischen Metal-Fans. Peter und Andreas stießen später noch dazu, und wirklich alle ohne Ausnahme waren freundlich, interessiert und mitteilunsgfreudig. Ich hatte noch mit keiner Band so ein geniales Gespräch. Wir redeten über (natürlich) Darkane, den Auftritt, Festivals, Nu-Metal, Schlagzeugtraining und die Schwanzlängen der Band (Zitat: "Andreas hat den größten" *g*) und hatten alle unseren Spaß. Als ich Peter erzählte, dass ich letztes Jahr in Schweden war, meinte er nur "Wenn du nochmal dorthin hinkommst, sag vorher Bescheid, dann kannst du uns besuchen". Also auf nach Schweden!

Nach einer Stunde etwa machten wir uns dann vom Acker. Wir machten noch Fotos mit allen (bis auf Peter, der schon duschen gegangen war) und machten uns auf den Heimweg. Nach einem ebenfalls sehr lustigen "Burger King"-Aufenthalt und einer shnellen problemlosen Heimfahrt fiel todmüde ins Bett, die Erinnerung an einen absolut genialen Abend mit in meinem Traum nehmend.

von Dennis Hirth